Verarbeitungshinweise für Tylose

Zur Herstellung homogener Lösungen muss die Tylose zunächst dispergiert werden. Hinsichtlich der Dispergierung sollten die nachfolgend beschriebenen Anweisungen beachtet werden, wobei insbesondere die unterschiedliche Vorgehensweise bei nichtanquellverzögerter und anquellverzögerter Tylose zu beachten ist.

1.Hinweise zur Dispergierung nichtanquellverzögerter Tylose

Auch wenn Celluloseether im vorgegebenen Lösemittel löslich sind, neigen sie beim Lösevorgang u.U. zur Klumpenbildung. Diese Klumpenbildung ist darauf zurückzuführen, dass Celluloseether-Teilchen beim Dispergieren Aggregate bilden und in dieser Form nur unvollständig mit Wasser benetzbar sind. Zudem werden diese Aggregate sehr schnell von einer angequollenen Gelschicht bereits gelöster Tylose-Teilchen bedeckt, so dass der weitere Lösevorgang stark behindert wird. Abhängig von der Art der Veretherung und der Konfektionierung kann dennoch eine vollständige und klumpenfreie Dispergierung von Tylose sichergestellt werden.

Generell wird empfohlen (unabhängig von Type und Konfektionierung), die Tylose unter kräftigem Rühren gleichmäßig rieselnd in das Lösemittel einzubringen. Im Verlauf des Löseprozesses nimmt die Viskosität der Lösung kontinuierlich zu, so dass schon nach einigen Minuten die Rührintensität vermindert werden kann, damit nicht zu viele Luftblasen eingebracht werden. Man setzt den Rührvorgang solange fort, bis eine homogene Lösung entstanden ist. Für die Herstellung von wässrigen Celluloseether-Lösungen wird nachfolgend auf einige typen- bzw. konfektionierungsspezifische Besonderheiten eingegangen:

→ Tylose MH- und MO-Pulver-Typen:
Herstellung von Lösungen im Labormaßstab
Die pulverförmige MHEC bzw. MHPC wird in einem Teil des für den Lösungsvorgang benötigten und auf ca. 80 °C erhitzten Wassers dispergiert. Anschließend wird mit dem restlichen, kalten Wasser auf die gewünschte Konzentration verdünnt bzw. auf die gewünschte Temperatur abgekühlt. Für bestimmte Anwendungen kann es vorteilhaft sein, die gesamte Wassermenge zu erhitzen, die Tylose darin zu dispergieren und die resultierende Dispersion langsam abkühlen zu lassen, bis sich die Tylose vollständig gelöst hat. 

→ Tylose MH- und MO-Granulat-Typen:
Granulierte MHEC bzw. MHPC ist leichter dispergierbar als pulverisierte Ware, benötigt aber eine längere Rührzeit bis zur vollständigen Auflösung. So können granulierte Tylose MH- und Tylose MO-Typen in kaltem Wasser klumpenfrei dispergiert werden, eine Dispergierung in heißem Wasser ist möglich, jedoch nicht notwendig. Der Lösevorgang granulierter Tylose MH und Tylose MO ist, je nach Rührintensität, üblicherweise nach ca. 60 Minuten abgeschlossen.

→ Tylose H-Granulat-Typen:
Granulierte Tylose H-Typen sind unabhängig von der Konfektionierung in kaltem sowie in heißem Wasser dispergierbar. Temperaturen über 80°C können jedoch zur Klumpenbildung führen und sollten vermieden werden. Die Lösegeschwindigkeit von Tylose H-Typen ist vergleichbar der Lösegeschwindigkeit von Tylose MH- und Tylose MO-Typen.

→ Tylose H-Pulver-Typen:
Pulverförmige Tylose H-Typen (ausser H ... N-Typen) sind leicht anquellverzögert. Die Anquellverzögerung ist bei diesen Typen schwächer ausgeprägt als bei Y-Typen, weshalb Tylose H-Pulver-Typen nicht durch den zusätzlichen Buchstaben „Y“ gekennzeichnet sind. Bezüglich der Dispergierung von Tylose H-Pulver-Typen wird auf das nachfolgende Kapitel „Vereinfachte Dispergierung durch Anquellverzögerung“ verwiesen.

2. Vereinfachte Dispergierung durch Anquellverzögerung

Anquellverzögerte Tylose Produkte werden durch den zusätzlichen Buchstaben „Y“ gekennzeichnet, z. B. Tylose H 6000 YP2 (s. Kapitel 3.3 „Nomenklatur von Tylose“). Neben Tylose-Produkten, die durch den Buchstaben „Y“ gekennzeichnet sind, sind auch alle pulverförmigen Tylose H-Typen (leicht) anquellverzögert, sofern es sich nicht um Tylose-Typen für pharmazeutische Anwendungen handelt.

Anquellverzögerte Tylose kann leicht und klumpenfrei mit Hilfe eines Rührwerkes in pH-neutralem Wasser dispergiert und zeitverzögert gelöst werden. Der Lösevorgang beginnt bei anquellverzögerter Tylose erst nach der vollständigen Dispergierung der Tylose-Teilchen. Dieser Effekt basiert auf einer chemischen Vernetzung der Tylose. Durch die Vernetzung wird verhindert, dass während des Lösevorgangs die Tylose sehr schnell von einer angequollenen Gelschicht bereits gelöster Tylose-Teilchen bedeckt wird, die den weiteren Lösevorgang stark behindern würde.

Durch Verschiebung des pH-Wertes in den alkalischen Bereich kann die Aufhebung der Anquellverzögerung stark beschleunigt werden. Hierbei ist zu beachten, dass die pH-Wert Einstellung nach der Dispergierung der Tylose erfolgt. Eine Anhebung des pH-Wertes vor der Dispergierung führt zum Verklumpen der Tylose.

Die Einstellung von pH-Werten zwischen 3 und 6 ist für anquellverzögerte Tylose-Typen generell nicht zu empfehlen, da hierdurch die Lösezeit erheblich verlängert wird (bis zu einigen Stunden). Extreme pH-Werte (< 3 und > 12) können zum chemischen Abbau der Celluloseether-Moleküle führen.

Hier erhalten Sie detaillierte Hinweise zur Verarbeitungsweise anquellverzögerter Tylose (Y-Typen).

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